Compliance und Risk Management bei Vermögensverwaltern: Delegation?!

Compliance und Risk Management bei Vermögensverwaltern: Delegation?!

KAG, KKV-FINMA, AIFMD, GwG, VSB16, FINFRAG, FIDLEG, FINIG sind Schlagworte, die den Finanzsektor in der jüngeren Zeit beschäftigt haben und dies vermutlich in den nächsten Jahren noch intensiver tun werden. Aber was genau ist damit gemeint und was sind die Auswirkungen auf jedes einzelne Institut? Diesen Fragen stellen sich aktuell viele kleine und mittlere Vermögensverwalter. Eines steht fest: Die Regulierungsdichte wird nicht ab-, sondern eher weiter zunehmen. Komplizierter wird die Situation noch dahingehend, dass die Erwartungen der FINMA an eine angemessene Betriebsorganisation als Bewilligungsvoraussetzung auch die Beschäftigung von angemessenem und entsprechend qualifiziertem Personal beinhaltet. Kleine und mittlere Vermögensverwalter verfügen jedoch oftmals nicht über die erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen, um diese komplexen Themen adäquat zu behandeln. Während bislang hauptsächlich die FINMA-unterstellten Vermögensverwalter von der strengeren Regulierung betroffen sind, werden in absehbarer Zukunft aufgrund des FINIG und damit verbunden auch des FIDLEG die Anforderungen an Compliance und Risk Management auch bei Vermögensverwaltern individueller Kundenvermögen (externen Vermögensverwaltern) steigen. Es zeichnet sich daher eine klare Entwicklung hin zu einer Professionalisierung der Compliance, aber auch des Risk Management ab.

Aufgrund der Geschäftsgrösse zahlreicher kleinerer und mittlerer Vermögensverwalter führt dies nicht selten zu einem Ressourcenengpass, welcher unter Berücksichtigung der Kosten- und Ertragssituation gelöst werden muss. Die regulatorische Vorgabe einer angemessenen Funktionentrennung zwischen Vermögensverwaltung/Asset Management/Vertrieb auf der einen sowie Compliance/Risk Management auf der anderen Seite bedarf einer personellen Trennung und erschwert die interne Besetzung. Aufgrund der dargestellten Komplexität der Themen wie auch der damit verbundenen Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit des Vermögensverwalters ist Spezialisten-Know-how in verschiedenen Bereichen notwendig. Ideal ist eine Kombination aus Jurist und Ökonom mit einem vertieften Verständnis des Vermögensverwaltungsgeschäfts und des regulatorischen Umfelds in der Schweiz. Im Falle der Fortführung eines erprobten Geschäftsmodells mit einer stabilen Kundenstruktur besteht der Bedarf nach einem Compliance Officer nur in einem Teilzeitpensum, wobei dieses Pensum über das Jahr hinweg schwanken kann. Dies erschwert das Finden eines geeigneten Mitarbeiters zusätzlich. Oftmals wird daher ein Compliance Officer mit einem Vollzeitpensum eingestellt, mit der Folge der entsprechend höheren Lohnkosten und der Auslastung mit anderen Tätigkeiten. Dies kann zu einer Unzufriedenheit bei dieser Person führen. Der Tätigkeitsumfang des Risk Management ist hingegen gleichmässig über das Jahr verteilt, füllt jedoch in der Regel ebenfalls kein Vollzeitpensum aus, sodass auch hier das Auslastungsproblem bestehen kann.

Weit häufiger als das Arbeitspensum und die Kosten ist aber die Kompetenz von Kandidaten das entscheidende Kriterium bei der Einstellung. Im Bereich Compliance sind Know-how in den Bereichen Geldwäscherei, Crossborder, Vertrieb, Vermögens- und Anlageprozess sowie juristische Grundlagen unabdingbar. Neben der Abdeckung und Sicherstellung dieser fachlichen Schwerpunkte unterstützt Compliance die Geschäftsleitung in der Aufrechterhaltung eines angemessenen Weisungswesens, der Einhaltung der abgeschlossenen Verträge, der Wahrnehmung der Meldepflichten sowie der Schulung der Mitarbeiter. Im Bereich Risk Management sind neben dem Verständnis der gesamten Geschäftstätigkeit insbesondere Kenntnisse hinsichtlich inhärenter Risiken, Risikomessung, Risikominimierung, Erstellung und Implementierung eines funktionstüchtigen Internen Kontrollsystems (IKS) sowie des Ablaufs des Vermögens- und Anlageprozesses inklusive der damit verbundenen Schlüsselkontrollen von Bedeutung. Darüber hinaus müssen sowohl der Compliance Officer als auch der Risk Manager über einen risikominimierenden, exakten Arbeitsstil und eine gewisse Autorität verfügen. Die beiden dargestellten Anforderungsprofile dienen als Grobüberblick, zugleich zeigen sie aber auch die Vielfalt der erforderlichen Qualifikationen auf.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass sich bereits zahlreiche Vermögensverwalter dafür entschieden haben, die Möglichkeit von Art. 66 der KKV-FINMA, welche auf den 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist, zu nutzen. Dieser Artikel in Verbindung mit den entsprechenden Artikeln des KAG und der KKV sehen die Delegation von Aufgaben im Interesse einer sachgerechten Verwaltung vor. Die Delegation des Compliance Officer wie auch des Risk Manager liegt in Anbetracht einer Kosten-Nutzen-Analyse nahe. Die Wahl eines geeigneten professionellen Delegationspartners ermöglicht ein ähnliches Mass an Flexibilität wie die Inhouse-Lösung. Zugleich ist die nahtlose Integration in interne Prozesse auf der Grundlage moderner IT sehr gut umsetzbar. So können die positiven Aspekte wie Verfügbarkeit, Kostenersparnis, Vielfalt der verfügbaren Kompetenzen, Stellvertretung und Zugriff auf einen Ressourcen-Pool ihre Wirkung optimal entfalten. Das Beiziehen eines externen Spezialisten bzw. die direkte Delegation der Compliance und des Risk Management kann also eine wertvolle und geeignete Option sein. Auf der technischen Seite bietet die Delegation darüber hinaus Vorteile in der Nutzung des Netzwerkes des Delegationspartners zu weiteren Spezialisten, beispielsweise zu Juristen im Bereich Arbeitsrecht, wie auch zu der Aufsichtsbehörde und den Revisionsstellen. Nicht zuletzt schafft die Nutzung einer im Outsourcing-Verhältnis genutzten modernen IT-Plattform Potenziale zur Effizienz- und Qualitätssteigerung. In der Folge entsteht ein echter Mehrwert für den Kunden, der einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil nach sich zieht.